Der neue/alte Vorstand: Klaus Zell (Vorsitzender), Rüdiger Steinborn, Liane Michel-Kunz, Stephanie Linnig, Detlev Reichel, Norbert Knoll und Gisela Schwarz (v.l.)Mitgliederversammlung des Albert-Schweitzer-Familienwerk Rheinland-Pfalz / Saarland bestätigt amtierenden Vorstand
DIEZ, 31. Mai 2010. Die gut besuchte Mitgliederversammlung des Albert-Schweitzer-Familienwerks Rheinland-Pfalz/Saarland erteilte am vergangenen Mittwoch Abend dem amtierenden Vorstand Entlastung und bestätigte die Arbeit der Führung des Landesverbandes durch die Wiederwahl des kompletten Vorstandes für eine weitere Amtsperiode bis 2012. In ihren Ämtern für die kommenden zwei Jahre wiedergewählt wurden der Vorsitzende Klaus Zell (Koblenz), die stellvertretende Vorsitzende Liane Michel-Kunz (Altendiez), Schatzmeister Detlev Reichel (Hahnstätten), Schriftführerin Stephanie Linnig (Neuwied) sowie die Beisitzer Gisela Schwarz und Rüdiger Steinborn (beide Limburg) sowie Norbert Knoll (Hundsangen).
In seinem Rechenschaftsbericht für das Jahr 2009/2010 blickte der Vorstandsvorsitzende auf ein schwieriges aber sehr erfolgreiches Jahr zurück: Die Erkrankung und lange Fehlzeit von Einrichtungsleiterin Gundula Neukirchen fiel in die Phase der Neuorientierung und Umstrukturierung der Einrichtung. Diese ist nun weitestgehend abgeschlossen. Dafür bedankte sich Zell bei seinen Vorstandskolleginnen und -kollegen, die alle mehr als reine Vorstandsarbeit geleistet hätten, bei der neu organisierten Leitungsebene mit Monika Grosser (Verwaltung/Buchhaltung) und Jürgen Hänsel (Pädagogische Leitung) sowie bei Nicole Wahren (Leitung Tagesgruppe Katzenelnbogen). Da nun auch Frau Neukirchen wieder verstärkt zum Einsatz kommt, sieht Zell die Einrichtung gut aufgestellt für die kommenden Herausforderungen.
Die Verlegung der Geschäftsräume in die Rosenstraße hat sich für das Familienwerk als sinnvoller Schritt erwiesen, denn das Herti-und-Willi-Buchholz-Haus in der Schaumburger Straße ist mit seiner neuen vollstationären Gruppe und den beiden Inobhutnahmeplätzen vollständig ausgelastet. Auch das Tagesgruppenhaus in Katzenelnbogen werde als feste Größe in den Planungen des Vereins seinen Platz behalten. Ein weiterer Ausbau der Einrichtung wird angestrebt, ist aber nach wie vor durch finanzielle Überlegungen und Einschränkungen limitiert und wird deshalb sehr behutsam erfolgen. Insgesamt blickt das Familienwerk aber auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2009 zurück, das geprägt war „durch die Anerkennung unserer Arbeit in den Jugendämtern und Schulen, die Aufnahme zahlreicher neuer Mitglieder, die weiter steigende Bekanntheit unserer Einrichtung in dieser Region, und deren Einbindung in das soziale und politische Umfeld.“
Den steigenden Bekanntheitsgrad des Familienwerks beobachtet auch die Einrichtungsleitung. Hatte man in den vergangenen Jahren vornehmlich Kontakte zu den Jugendämtern Bad Ems und Neuwied, kommen inzwischen auch regelmäßig Anfragen aus anderen Regionen des nördlichen Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland. Zu diesem positiven Image habe auch der Erfolg der Arbeit mit den anvertrauten Kindern und ihren Familien beigetragen. So habe es nach zahlreichen erfolgreichen Rückführungen in die Familien sehr positive Rückmeldungen durch Eltern und Jugendämter gegeben. „Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass wir eine Einrichtung sind, mit der man gut und vor allem erfolgreich zusammenarbeiten und Probleme wirklich lösen kann“, so Jürgen Hänsel und Gundula Neukirchen. Dies liege vor allem an der nach wie vor hohen Motivation aller Mitarbeiter. Großen Wert legt das Familienwerk auch auf die Integration der Kinder in das örtliche Leben. Viele Mitgliedschaften in den Vereinen vor Ort erhöhen zwar den Aufwand für die Koordination der Nachmittags- und Wochenendgestaltung, jedoch hilft dieses Engagement vielen Kindern bei der Bewältigung ihrer Probleme.
Noch in diesem Jahr möchte das Kinderdorf gerne ein weiteres Haus für die Unterbringung jüngerer Kinder eröffnen. Sollte ein entsprechendes Objekt gefunden werden, wird dort nach Möglichkeit ein Elternzimmer mit eingerichtet. Eltern sollen auf diese Weise erfahren können, wie das Leben ihres Kindes in der neuen Umgebung abläuft, und dadurch Anstöße für zuhause mitnehmen. „Wir arbeiten in der Regel sehr intensiv mit den Eltern zusammen“, berichtet Gundula Neukirchen. „Das entspricht dem der Philosophie von Albert Schweitzer entlehnten Leitbild unseres Vereines: Wir achten die Familie als besonderen sozialen Rahmen für die positive Entwicklung von Kindern. Vor allem bei den präventiven, ambulanten und teilstationären Hilfen und Beratungsangeboten steht deshalb die Stärkung der Selbsthilfefähigkeiten der Familie und jedes einzelnen Mitgliedes im Vordergrund. Darin besteht ein großer Unterschied von unserer zu anderen Einrichtungen.“
Dementsprechend will sich der Landesverband ab Herbst auch intensiv darum bemühen, Eltern zu gewinnen, die als Mitarbeiter des Familienwerkes und mit dessen intensiver Unterstützung bereit sind, in sogenannten Erziehungsfamilien gegebenenfalls zusätzlich zu ihren eigenen Kindern weitere Kinder bei sich aufzunehmen und zu betreuen. Darüber hinaus wird ein Projekt zur Unterstützung der Verselbständigung Jugendlicher verfolgt, da in den nächsten Jahren einige Kinder der vollstationären Gruppe das 18. Lebensjahr vollenden und beim Start in ein eigenes Leben zunächst noch auf etwas Betreuung angewiesen sein werden.
Auch Schatzmeister Detlev Reichel hatte für das zurückliegende Jahr nur Positives zu vermelden. Nach den schwierigen Anfangsjahren habe es der Verein mit seinen Einrichtungen inzwischen geschafft, als verlässlicher Partner der Jugendämter ernst genommen zu werden und auch wirtschaftlich auf gesunden Füßen zu stehen. Der enormen finanziellen Verpflichtung für seine rund 20 Mitarbeiter komme der Verein verantwortungsbewusst nach und auch mit einem stets wachsamen Auge auf die Finanzlage sei ein weiterer Ausbau der Hilfsangebote für Kinder und Familien in Not noch in diesem Jahr machbar.
Die Zusammenarbeit mit dem Bundesverband gestaltet sich weiterhin eng und vertrauensvoll. Hier war das letzte Jahr geprägt durch den Beitritt der drei Landesverbände Baden-Württemberg, Sachsen und Berlin, so dass es zum ersten Mal eine geschlossene, einheitliche Vertretung der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und -Familienwerke in Deutschland gab. Neuer Bundesvorsitzender wurde Rainer Koch aus Bayern, die neuen Landesverbände wurden relativ unproblematisch integriert. Das neue Gremium des Verbandsrates, in dem alle Landesverbände vertreten sind, sichert die Mitsprache auch der kleinen Landesverbände.
Zum Abschluss ihrer Berichte dankten Vorstand und Einrichtungsleitung noch einmal allen Mitarbeitern des Albert-Schweitzer-Familienwerkes Rheinland-Pfalz/Saarland für ihre Arbeit im abgelaufenen Geschäftsjahr. Ihre Arbeit und ihr Engagement machten es erst möglich, so Zell „mit guten Leistungen da zu helfen, wo es am Notwendigsten ist, und den uns anvertrauten Kindern dadurch neue Chancen zu eröffnen.“
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